Veranstaltung

Nachbarschaften: Religiöse, kulturelle, soziologische und politische Perspektiven

Campus Westend Nebengebäude des IG Farben-Hauses NG 1.741a

Catherina Wenzel (Goethe-Universität Frankfurt)
Religiöse Minderheiten in der Wüstenstadt Yazd (Iran) im 19. Jahrhundert

Zur Ringvorlesung

Religiöse Traditionen wie die des Judentums, des Christentum und des Islams haben sich historisch in enger räumlicher, religiöser und kultureller Nähe zueinander entwickelt und bleiben bis in die Gegenwart in ihren pluralen und dynamischen Selbstverständnissen gleichzeitig dialogisch und konflikthaft aufeinander bezogen. Auf der Grundlage von Forschungen zur miteinander verflochtenen Geschichte der religiösen, kulturellen und politisch-sozialen Dynamiken zwischen jüdischen, christlichen und islamischen Traditionen, Kulturen und Gemeinschaften zielt die Veranstaltung auf eine interdisziplinäre, theologisch, religionswissenschaftlich und -philosophisch, historisch, ethnologisch, kulturwissenschaftlich, soziologisch und bildungstheoretisch fundierte Analyse der vielgestaltigen religiösen, kulturellen und sozialen „Nachbarschaften“ zwischen den drei Religionen, mit einem historischen und geographischen Schwerpunkt auf der Epoche seit dem späten Mittelalter in Europa, im Nahen Osten und bis hin zu lokalen und globalen Kontexten im 20./21. Jahrhundert. Die Metapher der „Nachbarschaften“ ermöglicht es, zahlreiche Facetten interreligiöser Beziehungen bzw. multireligiöser und multikultureller Konstellationen in den Blick zu nehmen: 1) konkrete soziale Erfahrungen von Zusammenleben, religiös-kultureller Vielfalt, Zugehörigkeit, Exklusion oder Ghettoisierung, Vertrauen und Fremdheit, Gastfreundschaft und Nachbarschaftskonflikten; 2) Phänomene des kulturellen Austausches und Wissenstransfers miteinander verflochtener religiöser Traditionen; 3) nachbarschaftliche Konflikt über religiös-kulturelle Geltungsansprüche unter den Bedingungen religiöser, kultureller und ethnischer Heterogenität, d.h. die Ambivalenz von ‚Nachbarschaften‘ als Orten der Konfrontation mit dem Fremden, Differenten und als Räumen des Aushandelns von religiös-kultureller Ambiguität; (4) die Überlagerung realer räumlicher Nachbarschaften durch virtuelle Nachbarschaften im globalen Raum des Medialen. Im Spiegel dieser unterschiedlichen Aspekte werden in der Vorlesung wie in dem begleitenden Seminar unterschiedliche theoretische und methodische Aspekte des Konzepts der Nachbarschaften diskutiert.