Veranstaltung

Forschungskolloquium Gebrochene Traditionen

Berlin

Prof. Dr. Efrat Gal-Ed (Düsseldorf): Es klingt die Luft. Lyrik zwischen Jiddisch und Deutsch – zum Handwerk des Übersetzens (Gastvortrag)

Jiddisch und Deutsch sind Nahsprachen, doch ist der Weg, den es aus dem Jiddischen ins Deutsche zurückzulegen gilt, weder kurz noch geradlinig. Was ist diesen Sprachen gemeinsam, was ist anders und was bleibt fremd? Der jiddische tajch kann sich in einem Gedicht von Itzik Manger schlängeln, weil das Wort auf Jiddisch nicht ›Teich‹, sondern ›Fluss‹ bedeutet. Jiddisch und Deutsch unterscheiden sich nicht nur semantisch, sondern auch in Farbe, Temperatur, Tonart und Bild. Als europäische Komponentensprache verfügt Jiddisch mit seinen zahlreichen Quellsprachen über einen Reichtum an Synonymen und Idiomen, die seinen verschiedenen geographischen Lebenswelten entstammen. Zudem sprechen im Jiddischen jüdische Tradition sowie Aufklärung und Säkularisierung mit. In einem Werkstattbericht über die im Auftrag der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung entstehende Anthologie moderner jiddischer Poesie veranschaulicht Efrat Gal-Ed die Sprachbewegung vom Jiddischen ins Deutsche und erzählt von ihren Herausforderungen. Kann jenes Unsagbare, das den poetischen Ausdruck und seine Qualität ausmacht, am deutschen Sprachufer ankommen?