Veranstaltung

Forschungskolloquium des Promotionskollegs Gebrochene Traditionen

Berlin

Vortrag im Rahmen des Forschungskolloquiums des Promotionskollegs „Gebrochene Traditionen? Jüdische Literatur, Philosophie und Musik im NS-Deutschland“, das von den Lehrstühlen von Prof. Dr. Kerstin Schoor (Europa-Universität Viadrina Frankfurt/Oder), Prof. Dr. Christian Wiese (Goethe-Universität Frankfurt/Main) und Prof. Dr. Jascha Nemtsov (Hochschule für Musik Franz Liszt Weimar) betreut wird.

Dr. Inka Sauter (Frankfurt/Main): „In kritischer Würdigung. Ludwig Feuchtwanger über Franz Rosenzweig“ (Gastvortrag)

Am 5. Dezember 1935 hielt Ludwig Feuchtwanger im Jüdischen Lehrhaus in Berlin einen ambivalenten Vortrag über Franz Rosenzweig. Zwar legte der Jurist, Verleger und Autor Feuchtwanger eine Fundamentalkritik an Rosenzweigs philosophischer Perspektive vor, brachte sich aber im Münchner Jüdischen Lehrhaus selbst dezidiert in Fragen allgemeiner jüdischer Erwachsenenbildung ein, die untrennbar mit dem Gedenken an Rosenzweig verbunden waren. Auch suchte Feuchtwanger in gewisser Hinsicht an Rosenzweig anzuknüpfen, setzte sich gar für ebendas Ziel ein, dem bereits Rosenzweig seine Lehrhausidee 1920 gewidmet hatte, sprach sich aber gegen dessen Mystifizierungen aus. Mithilfe von Feuchtwangers spannungsreicher Perspektive auf Rosenzweig im nationalsozialistischen Deutschland wird in diesem Vortrag ein Schlaglicht auf die zunehmende Relevanz der Lehrhäuser für die jüdische Geistesgeschichte dieser Jahre geworfen.

Weitere Informationen zum Promotionskolleg: https://gebrochene-traditionen.de