Veranstaltung

11 Juni 2026
18:15 - 19:45 Uhr

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Forschungskolloquium des Promotionskollegs Gebrochene Traditionen

Berlin

Vortrag im Rahmen des Forschungskolloquiums des Promotionskollegs „Gebrochene Traditionen? Jüdische Literatur, Philosophie und Musik im NS-Deutschland“, das von den Lehrstühlen von Prof. Dr. Kerstin Schoor (Europa-Universität Viadrina Frankfurt/Oder), Prof. Dr. Christian Wiese (Goethe-Universität Frankfurt/Main) und Prof. Dr. Jascha Nemtsov (Hochschule für Musik Franz Liszt Weimar) betreut wird. Das vollständige Programm sowie weitere Informationen finden Sie auf der Seite des Promotionskollegs: https://gebrochene-traditionen.de/

Prof. Dr. Jan Gerber (Leipzig): „Wissen und Begreifen. Der Holocaust und die Grenzen historischer Wahrnehmung“ (Gastvortrag)

In einer Zeit, in der die Erkenntnis über die historische Besonderheit des Holocaust und die gesellschaftliche Erinnerung an das Verbrechen schwinden, lohnt ein Blick auf die frühen Versuche, das Geschehen überhaupt zu verstehen. Bereits während des Zweiten Weltkriegs verdichteten sich Informationen über Massenerschießungen, Deportationen, Todeslager. Dennoch erschloss sich das Ausmaß der nationalsozialistischen Vernichtungspolitik auch nach der Befreiung der Lager zunächst nur den wenigsten Zeitgenossen. Der Vortrag geht der Frage nach, warum selbst gut informierte Beobachter Schwierigkeiten hatten, die historische Dimension des Verbrechens, das später als Holocaust bezeichnet wurde, zu begreifen. Anhand zeitgenössischer Berichte, diplomatischer Mitteilungen und früher Deutungsversuche wird gezeigt, wie stark Wissen und historisches Verstehen mitunter auseinanderfielen. Die Auseinandersetzung mit diesen Grenzen der Wahrnehmung eröffnet zugleich einen Blick auf einige der Bedingungen, unter denen historische Erkenntnis entsteht.

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