Veranstaltung

14 Juli 2026
18:15 - 20:00 Uhr

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Buchvorstellung mit Amit Levy

Campus Westend Casino-Gebäude 1.801

Die Geschichte der auffällig starken Beteiligung deutsch-jüdischer Gelehrter im Feld der Orientalistik an Universitäten in Deutschland im frühen 20. Jahrhundert, auch an der 1914 neu gegründeten Universität Frankfurt, enthält auch ein faszinierendes Kapitel des Wissenstransfers und der Wissenschaftsmigration nach Palästina in den 1920er und 1930er Jahren. Das Buch des Historikers Amit Levy befasst sich mit den intellektuellen, kulturellen und politischen Dynamiken dieses Prozesses der Verlagerung und Transformation eines Forschungsfeldes im Zuge der Gründung der Hebräischen Universität Jerusalem und der Etablierung einer neuen Disziplin der „Oriental Studies“ in den ganz anderen Kontexten des Mandatsgebiets Palästina vor der Staatsgründung Israels.

Wie andere deutsch-jüdische Gelehrte, die zu dieser Zeit nach Palästina kamen, taten dies einige der Orientalisten aus zionistischer Überzeugung als Einwanderer, während andere sich ihnen später als Flüchtlinge aus Nazideutschland anschlossen. Im Gegensatz zu anderen Wissensgebieten war der Transfer orientalistischen Wissens jedoch insofern einzigartig, als er eine grundlegende Veränderung in der Art der Begegnung mit dem Orient mit sich brachte: von einer textwissenschaftlichen Auseinandersetzung an deutschen Universitäten, die weitgehend losgelöst von aktuellen Themen war, hin zu einer lebendigen, substanziellen und unmittelbaren Begegnung mit einer im Wesentlichen arabischen Region – vor dem Hintergrund des eskalierenden jüdisch-arabischen Konflikts. In diesem neuen Kontext erhielt das deutsch-jüdische orientalistische Fachwissen eine politische und kulturelle Bedeutung, mit der es zuvor nicht konfrontiert gewesen war, und beeinflusste damit grundlegend den Entwicklungsverlauf der Disziplin in Palästina und Israel.

 

Dr. Amit Levy ist ein Wissenschafts- und Migrationshistoriker, der sich vor allem auf Aspekte der Geistes- und Kulturgeschichte in modernen nahöstlichen, europäischen und jüdischen Konstellationen konzentriert. Er forscht zu der Frage, auf welche Weise Ideen, Wissenschaftspraktiken und Institutionen über Grenzen hinweg migriert sind und in imperialen und kolonialen Kontexten eine neue Gestalt angenommen haben. Sein Buch A New Orient: From German Scholarship to Middle Eastern Studies in Israel (Brandeis University Press, 2024) wurde mit dem Jordan Schnitzer First Book Publication Award der Association for Jewish Studies ausgezeichnet. Sein neues Projekt, das er im Zusammenhang mit einem Martin Buber Fellowship an der Hebräischen Universität Jerusalem begonnen hat, befasst sich mit dem Wissensaustausch zwischen jüdischen Gelehrten aus Europa, britischen Kolonialbeamten und lokalen arabischen Intellektuellen in Palästina.

Die Historikerin Dr. des Zarin Aschrafi forscht und lehrt an der Universität Leipzig, u.a. zur deutsch-jüdisch-israelischen Verflechtungsgeschichte, zur Intellektuellengeschichte des 20. Jahrhunderts und zu Gelehrtenbegegnungen im Britischen Empire der Zwischenkriegszeit.

 

Bei der Buchpräsentation handelt es sich um eine öffentliche Abendveranstaltung im Rahmen des internen internationalen Workshops des Buber-Rosenzweig-Instituts, des Frankfurt-Tel Aviv Centers und des LOEWE-Zentrums „Dynamiken des Religiösen“ zum Thema Reform, Civilization, and Jewish-Muslim Scholarly Networks in the British Empire, 1918–1944.

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